Agility

Was ist Agility?

Agility ist der Hundesport, den ich seit 2002 ausübe. Zuerst mit meinem Hund Zebu, der leider im Dezember 2010 viel zu früh verstarb, nun mit meinem Sheltie Joey vom Zillegarten. Mit Zebu erreichte ich die höchste Klasse, die A3, und wir qualifizierten uns auch für diverse Meisterschaften, an denen wir teilnahmen. Joey wird gerade von mir aufgebaut und man wird sicher bald von uns hören.

Ein schöner Start in der A3 large mit Zebu und mir. Auf dem Agility-Turnier vom 30. August 2009 beim HSV Tor zum Hainich in Schönstedt. Fehlerfreier Lauf, Platz 1! Alle unten genannten Geräte (mit Ausnahme des Sacktunnels) kommen in diesem Parcour vor. Richter war René Blank. (Aufnahme: Claudia Stelter)

Ja, was ist das eigentlich, Agility? Stellt Euch vor, Ihr durchlauft mit Eurem Hund einen Zick-Zack-Parcours. Der Hund ist ohne Halsband und Leine, läuft durch einen Tunnel, balanciert über einen Laufsteg, springt über die unterschiedlichsten Hindernisse, klettert eine Wand hoch und wieder runter — und dabei nur durch Eure Körperbewegung und Eure Stimme geleitet.

Und das ist Agility! Der Name der Sportart leitet sich aus dem Wort »agil« her, bedeutet also einfach nur »lebendig« und »munter«. Und in diesem Sinne sollte dieser Hundesport auch betrieben werden.

Die Entstehungsgeschichte des Agility-Sports liegt ein wenig im Dunkeln. Wie (fast) alles Seltsame kommt auch Agility aus England. Einigermaßen gesichert ist, daß 1977 in einer Show als Showeinlage ein dem Pferdesport ähnlicher Parcours aufgebaut wurde und eine Gruppe von Hunden mit ihren Führern durch diesen Parcours liefen. Die Show kam gut an und Agility war geboren.

Anfangs war das alles noch sehr anarchisch und urwüchsig, aber schon bald gründeten sich Vereine, es gab organisierte Wettkämpfe mit Preisrichtern, Meisterschaften und wo weiter. In Deutschland wird Agility seit 1992 vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) ausgetragen. (Der Verband ist aber nicht so schlimm, wie sein Name vermuten läßt.) Seitdem ist auch hierzulande alles geregelt und Agility ist als offizieller Hundesport anerkannt.

Agility macht fast allen Hunden Spaß. Wer einmal zugesehen hat, mit welcher Freude ein Hund durch den Parcour läuft und je nach Temperament laut bellend oder auch still konzentriert die verschiedenen Hindernisse überwindet und am Ende des Laufes — wie nach einer erfolgreichen Jagd — seinen Anteil an der Beute in Form einer Belohnung oder seines Spielzeuges erhält, der wird meiner Einschätzung zustimmen, daß Agility eine der artgerechtesten Sportarten für den Hund ist.

Hund und Hundeführer bilden jeweils ein Team, das gemeinsam den Parcours innerhalb einer festgesetzten Mindestzeit durchlaufen muß. Die Zeit wird vom Sprung des Hundes über das erste Hindernis bis zum Sprung des Hundes über das letzte Hindernis gemessen. (Wann der Hundeführer den Parcours verläßt, ist daher nicht von Belang — er sollte ihn nur so schnell verlassen, daß der Hund nach dem Wettkampf nicht wieder auf den Parcours läuft, um seine Belohnung abzuholen. Sonst gibt es eine Disqualifikation, im Agility liebevoll »Diss« genannt. Daher ist es wichtig, daß man mit dem Hund das »Vorschicken« trainiert, das Arbeiten des Hundes »vor« dem Hundeführer.)

Agility eignet sich nahezu für jeden Hund und jeden Hundeführer. Nur sehr große und schwere Hunde, denen das Springen und Klettern keine Freude macht, eignen sich nicht dazu. (Der »Rassendünkel« ist im Hundesport erfreulicherweise ebenfalls nahezu verschwunden, meines Wissens gibt es außerhalb der Schäferhundvereine keine Hundesportarten mehr, die nicht auch Mischlingen wie Zebu offenstehen. Allerdings gilt dies nicht für »offizielle« Meisterschaften ab der »Deutschen Meisterschaft«. Hier feiert der anachronistische Irrsinn noch fröhliche Urständ und es sind nur sogenannte Rassehunde zugelassen. Aber ich hoffe, daß dieser Zopf auch bald abgeschnitten wird.)

Um ein wenig die Chancengleichheit zu wahren, werden Hunde in drei Klassen eingeteilt: Small, Midi und Large, also kleine, mittlere und große Hunde. In der Hauptsache unterscheiden sich diese Klassen durch die unterschiedliche Höhe der Hindernisse, daneben gibt es auch immer mehr Spezialläufe für alte Hunde, die ebenfalls nur noch sehr niedrige Hindernisse überspringen müssen. Dann gibt es noch drei (früher vier) Leistungsklassen, die von A1 (Anfängerklasse) bis A3 (»Könner«) gehen. Um in die jeweils höhere Klasse zu gelangen, muß ein Team mindestens dreimal auf regulären Wettkämpfen einen vollständigen Parcour (einen A-Lauf, keinen Jumping!) fehlerfrei durchlaufen haben, damit auf einer der vordersten drei Ränge gelandet und von mindestens zwei unterschiedlichen Richtern bewertet worden sein. Es gibt daneben auch noch die theoretische Möglichkeit, mit fünf nichtplatzierten, fehlerfreien Läufen aufzusteigen, aber in der Regel hat man eher die drei platzierten Läufe zusammen.

Die A0, eine offene Klasse, in der jeder antreten konnte, der die Mindestvoraussetzung erfüllt (der Hund ist mindestens 18 Monate alt und das Team hat eine Begleithundeprüfung (BH) erfolgreich abgelegt), wurde leider 2012 abgeschafft.

Die drei Agility-Grade unterscheiden sich in der Schwierigkeit und Länge des Parcours sowie in der Mindestzeit, in der dieser Parcours durchlaufen werden muß.

Wie sieht nun so ein Agility-Parcours aus? Erst einmal gibt es die Sprünge über Hürden, Buschhürden, Weitsprung und Viadukt, dann die Kontaktzonengeräte und schließich noch Tunnel, Slalom und Tisch. Der Parcours wird vor jedem Wettkampf nach Maßgabe des Richters (der ihn sich auch ausgedacht oder aus der Literatur übernommen hat) aufgebaut und sieht jedesmal anders aus. Kurz vor dem Wettkampf dürfen die Hundeführer (ohne Hund!) auf den Parcours und sich überlegen, wie sie ihren Hund über die Hindernisse leiten.

Sprünge

Die Würze eines Parcours sind die Hürden, von denen es auch immer mindestens sieben in einem Parcours gibt. Sie sind mal so aufgebaut, daß der Hund in gerader Linie darüber springen kann und Geschwindigkeit gewinnt, mal so, daß an ihnen ein Richtungswechsel erfolgt oder auch so, daß der Hund sie wellenförmig überspringen muß. Standardhürde ist die Stangenhürde, daneben gibt es auch noch eine Buschhürde, bei der der Hund nicht hinter das Hindernis gucken kann, den Reifen, der durchsprungen werden muß, den Weitsprung und — selten eingesetzt — das Viadukt.

Kontaktzonengeräte

Kontaktzonengeräte sind die A-Wand, die der Hund hoch- und wieder herunterklettert, der Laufsteg, der balancierend vom Hund bewältigt wird und die Wippe. Alle diese Geräte besitzen am Anfang und am Ende einer andersfarbig markierte Zone, die der Hund mindestens mit einer Pfote berührt haben muß. Sonst hagelt es Strafpunkte.

Tunnel, Salom und Tisch

Tunnel werden von fast allen Hunden geliebt. Sie sind daher eine große Versuchung für den Hund, wenn hinter einem Hindernis ein Tunneleingang neben einer weiteren Hürde auftaucht. Fast alle Hunde wollen dann in den Tunnel, obwohl die Hürde verlangt ist. Hier ist oft der ganze Körper- und Stimmeinsatz des Hundeführers erforderlich, um doch noch zu erreichen, daß der Hund das andere Hindernis zuerst nimmt. Neben dem (festen) Röhrentunnel gibt es noch den Stofftunnel, dessen Ausgang aus einer losen Stoffbahn besteht.

Der Slalom besteht in der Regel aus zwölf Stangen, die der Hund in einer bestimmten Richtung durchlaufen sollte (die linke Hundeschulte »berührt« immer die erste Stange). Das fehlerfreie Durchlaufen des Slaloms ist eine große Herausforderung an die Lernfähigkeit des Hundes — hat er dies aber einmal begriffen, »tänzeln« viele Hunde begeistert hindurch. Aber trotzdem kommt es selbst bei »A3-Hunden« vor, daß sie hier »schummeln« und schon einmal eine Stange auslassen. Der Slalom gilt daher als einer der schwierigsten Geräte beim Agility.

Der Tisch wird heute nur noch selten eingesetzt, er eignet sich aber gut, um Ruhe in ein Team zu bringen oder einen Richtungswechsel vorzubereiten. Der Hund muß fünf Sekunden auf dem Tisch verharren und darf dann erst seinen Parcourslauf fortsetzen.

Neben diesem klassischen Agility-Parcours ist in den letzten Jahren das »Jumping« fester Bestandteil eines Agility-Turnieres geworden. Jumping ist ein Agility-Lauf ohne Kontaktzonengeräte und daher sehr schnell und eine Herausforderung an die Geschwindigkeit des Hundes und die Reaktionsfähigkeit des Hundeführers.

Doch egal ob klassisches Agility oder Jumping, für beides gilt: All die verschiedenen Hindernisse müssen möglichst schnell und möglichst fehlerfrei übersprungen, überklettert oder durchlaufen werden. Das ist nicht immer einfach, aber es macht Hund und Hundeführer einen mordsmäßigen Spaß. Und wer weiß? Vielleicht sehen wir Euch ja auch einmal als Zuschauer bei einem Wettkampf.

Trainigsmethoden (Video 1)

Agility-Tips von Daniel Schröder zum Thema »Führtechnik«

Video (2)

Tobias Wüst: Kontaktzonen und Slalom

Video (3)

Philipp Müller Schnick zum Thema Junghundaufbau/Lauftraining

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